Probleme lösen – Ursachenanalyse mittels Ist-IstNicht (Keppner-Tregoe) -Verfahren

Ein Beitrag von Dr. Uwe-Klaus Jarosch, Februar 2026

Sagen ihnen die Namen Charles Keppner und Benjamin Tregoe etwas?

Die beiden Sozialwissenschaftler entwickelten Ende der 1950er-Jahren in USA ein logisch konsistentes Verfahren, um technische Probleme zu lösen[1].

Nach dem ersten Schritt der Methode ist das Verfahren auch als „Ist – IstNicht“ bekannt geworden.

[1] Zusammen mit Entscheidungsfindung und einer Art Betriebs-Management System ist das Problemlösungsverfahren im Buch „The Rational Manager“ detailliert angeleitet. Sehr zu empfehlen!

Methodisch ist die inhaltliche Erarbeitung an einen Arbeitsplan aus 4 Schritten gekoppelt:

  1. Ist-IstNicht Faktensammlung
  2. Unterschiede und Abweichungen ermitteln
  3. Vermutete Ursachen – Hypothesen erstellen
  4. Ausschlussverfahren für Hypothesen – vorher, nachher

Schritt 1   Ist-IstNicht Faktensammlung

Schritt 1 nutzt eine Tabelle als Checkliste:  Alle Details, die dem Team bekannt sein sollten, werden systematisch abgefragt.

  • WAS – was ist das Objekt, was ist das Problem
  • WO – am Objekt beobachtet, wo zuerst, wo zuletzt beobachtet?
  • WANN – zuerst beobachtet, wann zuletzt?
  • WIEVIEL – Wie viele Objekte sind betroffen? Ausmaß des Fehlers? Wie viele Fehler je Objekt? Mit welchem Trend bis jetzt?
  • Zu jeder der Einzelfragen wird gesammelt:

    • Die direkte Antwort auf die Frage,
    • Was, Wo, Wann, Wieviel – könnte sein, ist aber nicht,
    • Was, Wo, Wann, Wieviel – ist noch zu klären?

    Jedes Feld ohne Ausnahme muss befüllt sein.

Schritt 2 Unterschiede und Abweichungen ermitteln

Die Methode geht davon aus, dass es einen Zustand vorher gegeben hat, in dem das zu behandelnde Problem noch nicht vorgelegen hat. Daher ist es sinnvoll, den Zustand ohne Problem mit dem aktuellen Zustand mit Problem zu vergleichen.

Auch hier wird eine systematische Analyse durchgeführt.
Hier nutzt das Verfahren die 6 bzw. 7 Ms, die typische auch für die Ishikawa-Analyse genutzt werden:  Mensch, Maschine, Material, Mitwelt, Methode, Management, Messen.

Zu jeder Rubrik werden 4 Fragen gestellt:  

  • Was ist anders als vorher?
  • und Warum?
  • Was ist einzigartig, auffallend, bemerkenswert?
  • Warum?

Zudem wird in Zweifelsfällen die Frage gestellt:    Was ist wahr / belegt?

Sollte es eine Vielzahl von Unterschieden in einer Kategorie geben, so wird priorisiert. Nur die wichtigsten 5 werden weiter berücksichtigt.

Schritt 3   Vermutete Ursachen – Hypothesen

Schritt 3 nutzt alle gesammelten Informationen, um erst jetzt Hypothesen zu den vermuteten Ursachen zu formulieren.

Im Gegensatz zu andern Problemlösungsverfahren ist die Suche nach Ursachen erst spät angesetzt. Es geht nicht um Wünsche oder Brainstorming, sondern um faktenbasierte Argumente.

Bei komplizierten Problemen sind mehrere Ursachen in einem logischen Zusammenspiel durchaus zu berücksichtigen und bilden gemeinsam die Hypothese, was das Problem verursacht hat.

Und es können mehrere Hypothesen sinnvoll erscheinen, zu denen im 3. Schritt des Verfahrens noch nicht entschieden werden kann, welche wirklich zutrifft.

Schritt 4   Ausschlussverfahren für Hypothesen

Im 4. Schritt werden die gesammelten Fakten wieder aufgerufen. Alle Einträge zu den 7 Kategorien, sowohl zu „Ist“ als auch zu „Ist-Nicht“ müssen durch die Hypothese widerspruchsfrei erklärbar sein. Andernfalls ist die Hypothese unrichtig oder zumindest unvollständig.

Hier kann natürlich die Hypothese nachgebessert und erneut geprüft werden.

Solange nicht alle Beobachtungen der ersten beiden Schritte durch die Hypothese und die damit angenommenen Ursachen erklärt sind, ist zumindest die vollständige Klärung des Problems noch ausstehend. Das ist aber das Ziel dieses Verfahrens.

Pro & Kontra

Für dieses Verfahren spricht, dass es in allen Schritten eine systematische Analyse nutzt und damit im Ergebnis widerspruchsfrei ist.

Dafür ist ein nicht zu unterschätzender Aufwand zu betreiben.
Es ist für den „Problemeigner“ eine vollumfängliche Durchleuchtung aller Aspekte und es verlangt, alle Kategorien mit Fakten zu belegen.

Natürlich kann das Team mit Unterstützung eines erfahrenen Moderators Beschlüsse fassen, einzelne Aspekte aus der Betrachtung außen vor zu lassen und das Verfahren zu verkürzen. Allerdings ist dies zwingend damit verbunden, nicht alle Ursachen zu entdecken und in die Lösung des Problems einzubeziehen.

Die konsequente Beantwortung aller Aspekte wird durch entsprechende Formblätter unterstützt und angeleitet. Zahlen, Daten, Fakten und belegte Beobachtungen von Vermutungen zu unterscheiden, gehört zu den wesentlichen Leistungen im Team und durch einen neutralen Moderator.

Eine vollständige, widerspruchsfreie Ursachenanalyse geht davon aus, dass das Problem zunächst nicht vorlag und dann durch irgendwelche Änderungen erst entstanden ist. Das Verfahren geht auch davon aus, dass wir es hier durchgängig mit erklärbaren Phänomenen zu tun haben. Dies gilt für alles, was sich technisch-wissenschaftlich herleiten und mit klaren Wenn-Dann-Beziehungen begründen lässt.
Dabei werden zwar Zahlen, Daten, Fakten gesammelt, aber die Lösung wird nicht von Statistik abhängig gemacht, sondern von Argumenten und Plausibilitäten.

Für die Ausführung der Methode sind Checklisten und Tabellen hilfreich. Diese können über die Organisation Keppner-Tregoe beschafft werden
oder sie finden sie in meinem Buch „Vorausplanen – Schritt für Schritt von der Idee zum Produkt“ im Kapitel zu Problem-Lösungs-Verfahren.

Probleme aus den Bereichen Wirtschaft, Soziales, Politik sind diesem Verfahren nicht zugänglich.

Fazits: 

  • Keppner-Tregoe / Ist-IstNicht ist ein logisch konsistentes Verfahren zur Lösung technischer Probleme.
  • Das Verfahren ist im Vergleich zu Problemlösungsverfahren auf der Basis von Brainstorming einerseits aufwändiger, jedoch eher geeignet, komplizierte Probleme zu lösen.
  • Wesentlicher Teil der Systematik besteht darin, nicht nur das Ist, sondern auch das Ist-Nicht zu hinterfragen und so eine deutlich genauere Abgrenzung zu erreichen.
  • Speziell die Sammlung aller geforderten Informationen zum Problem, seinem Umfeld und seiner Entstehung, kann sehr zeitintensiv sein.
  • Annahmen zu Ursachen werden erst nach der Datensammlung als Hypothese formuliert. Hypothesen können mehrere Ursachen im Zusammenwirken beschreiben.
  • Erst die vollständige Freiheit von Widersprüchen zwischen Beobachtungen und Hypothese bedeutet eine befriedigende Erklärung.

Bleiben sie neugierig

Uwe Jarosch

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