Problemlösungs-Methoden - Ursachenanalyse mit Ishikawa - Diagramm
Ein Beitrag von Dr. Uwe-Klaus Jarosch, Februar 2026
Eines der 7 Qualitäts- Standardwerkzeuge (core tools) ist das Ishikawa-Diagramm.
Diese grafisch unterstützte Methode wurde vom japanischen Ingenieur Kaoru Ishikawa im Jahr 1943 erfunden, um Ursachen von Qualitätsproblemen strukturiert sichtbar zu machen, statt nur Symptome zu behandeln.
Aufgrund der Gestaltung des Diagramms – ähnlich dem Skelett eines Fischs – ist auch der Name „Fischgräten-Diagramm“ gebräuchlich.
Die Idee dieses Diagramms ist, die Kreativität eines Teams abzurufen, um Beiträge zu sammeln und dann zu strukturieren.
Methodisch besteht die Idee der Problemlösung bei Ishikawa aus mehr als nur der Befüllung des Diagramms.
Die inhaltliche Erarbeitung zur Lösung des benannten Problems ist an einen Arbeitsplan aus 7 Schritten gekoppelt:
Schritt 1 Problem klar definieren
In den Kopf des Diagramms wird als Ausgangspunkt eine präzise Problemformulierung eingetragen. Diese sollte für alle Beteiligten gültig erscheinen und für Dritte verständlich sein.
Schritt 2 Haupteinflussgrößen bestimmen
Die Äste des Diagramms werden mit Ursachen-Kategorien gekennzeichnet. Üblich sind Hauptkategorien der 6M‑ Methode (z. B. Mensch, Maschine, Material, Methode, Milieu, Messung).
Es können aber auch andere Kategorien ergänzt oder alternativ genutzt werden. Dies bietet sich an, wenn Kategorien näher an dem zu lösenden Problem formuliert werden.
Schritt 3 Brainstorming zum Sammeln möglicher Ursachen
Durch das Team werden mögliche Ursachen gesammelt. Dabei werden mögliche Ursachen ohne Bewertung gesammelt. Jeder Beitrag ist willkommen. Ishikawa betonte Teamarbeit: Je vielfältiger die Perspektiven, desto vollständiger die Analyse.
Schritt 4 Ursachen strukturieren und ordnen
Die gesammelten Ursachen werden geordnet, den Hauptkategorien zugewiesen und gegebenenfalls präzisiert.
Möglich ist, Ursache-Wirkungs-Zusammenhänge durch Unteräste in mehreren Ebenen im Diagramm grafisch zu verdeutlichen. Damit werden logische Zusammenhänge sichtbar gemacht.
Schritt 5 Vollständigkeit prüfen
Das Diagramm sollte am Ende der Stoffsammlung kritisch überprüft werden:
- Fehlen noch Fachbeiträge zum Problem? Müssen Kategorien ergänzt oder verändert werden?
- Sind die Ursachen logisch richtig als Ursache-Wirkungs-Kette und in der Zuweisung zu Kategorien?
Dieser Schritt soll vorschnelle Schlussfolgerungen verhindern.
Schritt 6 Analyse und Bewertung
Jetzt werden die ermittelten Ursachen auf ihre Relevanz geprüft und mit der Kompetenz des Teams bewertet.
Daraus sollen die wahrscheinlichsten Grundursachen priorisiert werden.
Wenn Zahlen-Daten-Fakten zum Problem vorliegen, können z.B. Pareto‑Analysen bei der Priosisierung helfen.
Schritt 7 Maßnahmen ableiten
Zu den priorisierten Grundursachen werden konkrete Verbesserungsmaßnahmen entwickelt. Dabei ist schon seit den Anfangstagen der Methode betont worden, dass es um Maßnahmen gegen Grundursachen gehen muss, nicht um Symptombekämpfung.
Nicht jede Ursache lohnt Maßnahmen, Fokus auf die priorisierten.
Die Maßnahmen sind aber nicht mehr Inhalt des Diagramms.
Pro & Kontra
Für die Ishikawa-Methode spricht, dass es eine einfach anzuwendende Methode ist. Sie ist mit einfachen Mitteln wie Whiteboard und Haftnotizen zu nutzen und erzeugt sofort ein visuelles Ergebnis.
Bei korrekter Beschreibung des Problems, fachkundigem Team und sorgfältiger Zuordnung und Priorisierung von Ursachen ist in relativ kurzer Zeit die Grundlage für sinnvolle Maßnahmen gelegt.
Für die überwiegende Zahl der Tagesprobleme und als Einstieg in Problemlösung ist die Methode bewährt.
Schwächen der Methode entstehen, wenn im Team entweder Vorurteile (die Ursachen kennen wir doch schon lange!) oder die Meinung von Vorgesetzten statt von Fachleuten gesammelt wird. Auch die Art der Ursachensammlung durch Brainstorming statt durch die Analyse von Zahlen-Daten-Fakten ist aus meiner Sicht als Schwäche und fehlende Systematik zu benennen.
Eine weitere potentielle Schwäche entsteht, wenn die Kategorien nicht zum Problem passen.
Darüber hinaus ist die Analyse von Ursachen und deren Wirkungen im Ishikawa-Diagramm nur monokausal sichtbar. Auch zeitliche Abläufe sind in der Darstellung nicht vorgesehen.
Wie bei jeder Methode braucht es Übung bei der Moderation. Fehlende Übung kann zur Vertauschung von Ursache und Wirkung (Henne-Ei-Problem) führen. Damit sind Grundursachen nicht mehr korrekt und Maßnahmen werden ggf. Symptomen zugewiesen. Auch für eine sinnvolle Priorisierung ist ausreichende Übung in der Methode wichtig.
Beides führt zu fehlerhaften Analyseergebnissen und mindert den Wert der Arbeit.
Um ein Problem dauerhaft zu lösen ist abschließend die Fokussierung auf ermittelte Grundursachen entscheidend. Maßnahmen müssen dann gegen diese Grundursachen wirken und konsequent verfolgt werden. Dies ist aber in jeder Problemlösungs-Methode gültig.
Lösungs-Methoden für komplizierte Probleme
Aufgrund des stark kreativen und damit auch nicht unwesentlich zufälligen Ergebnisses sind komplizierte Probleme dann auf die Anwendung anderer Methoden angewiesen, z.B. stark statistisch gestützte Ansätze aus dem SixSigma-Werkzeugkasten oder logisch konsistente Methoden wie Keppner-Tregoe.
Fazits:
- Die Methode des Ishikawa-Diagramms ist eine der ältesten und weitest verbreiteten Methoden.
- Die Methode gehört zu den 7 Qualitäts Core Tools in der Automobil-Industrie.
- Die Methode ist leicht zu lernen und anzuwenden.
- Allen Teammitgliedern muss klar sein, welches Problem gelöst werden soll.
- Per Brainstorming werden alle Ideen für Ursachen aus dem Teams ungefiltert gesammelt.
- 6M-Kategorien oder problemspezifische Kategorien helfen, Ursachen zu sortieren und Ursache-Wirkungs-Ketten zu finden.
- Das Team wählt die Ursachen, die mit Priorität zu bearbeiten sind.
- Maßnahmen gegen priorisierte Ursachen sollen das Problem lösen.
Bleiben sie neugierig
Uwe Jarosch